Leben mit leichtem Gepäck

"Leben mit leichtem Gepäck" heißt ein Buch von Richard Foster, das ich vor vielen Jahren mit großer Begeisterung gelesen habe. Ganz abgesehen von den guten Überlegungen im Inneren des Buches ist schon der Titel sehr griffig und anregend.


Leben mit leichtem Gepäck, das würde ich gern. Dinge besitzen, ohne mein Herz an sie zu hängen. Überhaupt nicht so viel Besitz anhäufen. Mich von Sachen trennen, die ich nicht mehr brauche - Bücher, Filme, Kleider und all die tausend Kleinigkeiten, die sich im Lauf der Zeit angesammelt haben. Bei jedem Umzug stöhne ich über die vielen Kisten, die gepackt, geschleppt, transportiert und wieder ausgepackt werden müssen. Doch es fällt mir schwer, mich von lieb Gewordenem zu verabschieden. Schließlich verbinde ich etwas mit all den Gegenständen um mich her - Erinnerungen, Träume, für manches habe ich lange gespart, viel Geld ausgegeben, und es tut mir leid, dass das nun plötzlich wertlos sein soll. Und weil ich niemanden finde, der diese Dinge haben möchte und weil ich sie andererseits nicht einfach in die Mülltonne werfen will, bleibt alles, wo es ist und ich träume weiterhin vom Leben mit leichtem Gepäck.


Dass es auf Dauer nicht sinnvoll ist, alle Besitztümer zu horten und ein Leben lang mitzuschleppen, ist mir durch ein kleines Erlebnis eindrücklich bewusst geworden: Ich zog in eine Wohnung ein, die frei wurde, weil die alte Dame, die dort gelebt hatte, in ein Pflegeheim musste. Die Kinder dieser Frau waren mit den gesammelten Habseligkeiten ihrer Mutter völlig überfordert. Kartons und Kisten voller Briefe, Fotos, Bücher und kleinem Hausrat landeten auf dem Sperrmüll. Ich fand das damals sehr traurig, aber ich konnte verstehen, dass die Leute einfach keine Zeit hatten, sich durch das gesamte Hab und Gut ihrer Mutter zu wühlen, um das Wertvolle vom Belanglosen zu trennen. Wenn ich ab und zu meine Besitztümer entrümple, dann tue ich damit also nicht nur mir selbst etwas Gutes, sondern auch meinen Nachkommen! Sammeln hat seine Zeit und Weggeben hat seine Zeit ...


Bei Leben mit leichtem Gepäck denke ich aber nicht nur an materiellen Ballast, sondern auch an die vielen seelischen Lasten, die ich als Mensch mit mir herumschleppe. Wenn ich mühselig und beladen durchs Leben gehe, lädt Jesus mich ein, zu ihm zu kommen und mich von ihm erfrischen zu lassen. Ich habe erlebt, wie wohltuend es ist, bei ihm zur Ruhe zu kommen. In seiner Gegenwart darf ich ganz die sein, die ich bin. Ich muss nichts darstellen. Ich muss nicht stark sein. Mein Schmerz, meine Verwirrung, meine Not, meine Enttäuschung, meine Sehnsucht - all das darf ich hier fühlen und zum Ausdruck bringen. Das ändert nicht direkt etwas an meiner Situation, aber es befreit und stärkt mich und nimmt mir tatsächlich viel von meiner inneren Last ab. Und so gehe ich anders in meine alltäglichen Lebensbezüge zurück. Ich habe einen inneren Anker, einen festen Halt.


"Ich kann halten, weil ich gehalten werde", schreibt eine Freundin von mir als Signatur unter ihre E-Mails. Und ich denke, es gilt auch: Ich kann loslassen, weil ich gehalten werde. Ich muss mich nicht an Dinge, Menschen und Gegebenheiten klammern, wenn ich weiß, dass es einen gibt, der mich schützend in seiner Hand hält, der mich kennt und liebt und mir die Fülle des Lebens schenken möchte.

"Wenn ich nur dich habe, frage ich nichts nach Himmel und Erde", sagt der Psalmist. Nach was frage ich? Woran hängt mein Herz?


Jesus spricht von den Schätzen, die wir uns im Himmel sammeln sollen, und von den Wohnungen, die er dort für uns vorbereitet. Bei aller Verbundenheit mit der Erde und der Freude an den schönen Gütern, die ich hier habe, möchte ich doch auch den Blick auf den Himmel nicht verlieren. Vielleicht ist es möglich, mit beiden Beinen fest auf der Erde zu stehen und doch ein bisschen von der Erdschwere zu verlieren, mit himmlischer Leichtigkeit "zu haben, als hätten wir nicht", wie Paulus sagt.