Duftende Liebe

Sechs Tage vor dem Paschafest kam Jesus nach Betanien, wo Lazarus war, den er von den Toten auferweckt hatte. Dort bereiteten sie ihm ein Mahl; Martha bediente und Lazarus war unter denen, die mit Jesus bei Tisch waren. Da nahm Maria ein Pfund echtes, kostbares Nardenöl, salbte Jesus die Füße und trocknete sie mit ihrem Haar. Das Haus wurde vom Duft des Öls erfüllt. Doch einer von seinen Jüngern, Judas Iskariot, der ihn später verriet, sagte: Warum hat man dieses Öl nicht für dreihundert Denare verkauft und den Erlös den Armen gegeben? Das sagte er aber nicht, weil er ein Herz für die Armen gehabt hätte, sondern weil er ein Dieb war; er hatte nämlich die Kasse und veruntreute die Einkünfte. Jesus erwiderte: Lass sie, damit sie es für den Tag meines Begräbnisses tue. Die Armen habt ihr immer bei euch, mich aber habt ihr nicht immer bei euch.

Johannes 12,1-8

 

Maria und Martha sind uns ein Begriff  - Martha ist die Geschäftige und Maria die aufmerksame Zuhörerin. Und Lazarus, den kennt jeder als den Mann, den Jesus von den Toten auferweckt hat. Das wird hier auch im ersten Vers erwähnt.


Bei dem Festmahl, das uns geschildert wird, sind offenbar alle in ihrem Element. Martha hat etwas zu tun, sie bedient bei Tisch, das ist genau das, was ihr liegt. Lazarus ist im Gespräch mit den Gästen; vielleicht steht er im Mittelpunkt, schließlich ist es noch nicht lange her, dass er von den Toten auferweckt wurde. Vielleicht kümmert er sich auch nur darum, dass ein Gespräch in Gang kommt und keiner sich ausgeschlossen fühlt.


Einzig Maria scheint keine feste Aufgabe zu haben. Sie bedient nicht, sie spricht nicht mit den Gästen. Wenn man sich die Szene als Bild vorstellt, dann müsste man sie irgendwo ganz am Rand platzieren. Aber sie ist nicht unbeteiligt - alles andere als das. Wie damals beim Zuhören ist sie auch jetzt voll auf einen einzigen Menschen konzentriert, auf Jesus - so sehr, dass alle anderen in den Hintergrund treten und sie nichts mehr wahrnimmt außer der tiefen Liebe, die sie für ihn empfindet. Ohne auf Regeln der Schicklichkeit oder des guten Benehmens Rücksicht zu nehmen gießt sie ihr kostbares Öl über seinen Füßen aus und trocknet sie mit ihrem Haar.

Ein wunderbarer Satz steht dann in der Bibel: Der Duft des Öls erfüllte das ganze Haus.


Ich habe einmal ein Päckchen voller kleiner Duftölfläschchen erhalten, und als ich es aufmachte, breitete sich ein wunderbarer Geruch in der Wohnung aus. Ein Fläschchen war in der Verpackung zerbrochen, das Öl war ausgelaufen und hatte das Packpapier durchtränkt. Den ganzen Tag hielt dieser Geruch an und haftete außerdem nach dem Auspacken an meinen Händen.


Marias Nardenöl war sehr wertvoll, wie wir weiter erfahren, sie hätte es für viel Geld verkaufen können. Aber ihre Liebe zu Jesus ist verschwenderisch; sie rechnet nicht, sondern gibt alles, was sie besitzt, weil er es ihr wert ist. Sie folgt der Stimme ihres Herzens und tut damit genau das Richtige. Jesus nimmt sie vor allen Anwesenden in Schutz.


In der Bibel heißt es, dass wir ein Wohlgeruch Christi sein sollen (2. Korinther 2, 15) - der Duft unserer Liebe soll sich ausbreiten, wo auch immer wir sind. Diese Forderung oder Aufforderung steht aber nicht für sich im Raum, sie hat eine unabdingbare Grundlage - und das ist die Liebe, die Jesus uns entgegenbringt. Er hat uns schon geliebt, als wir noch gegen ihn waren und dachten, wir bräuchten uns nicht um ihn zu kümmern.


Christus hat uns seine Liebe erwiesen, indem er sich selbst hat brechen lassen. Er hat seine Liebe in unser Herz ausgegossen. Im Grunde können wir ihm nur das schenken, was er uns gegeben hat. Je mehr wir uns ihm öffnen, je mehr wir eine Liebesbeziehung zu ihm pflegen, je mehr wir ihm vertrauen, desto duftender wird unser Leben!