Die Frühlingsbotschaft 2020

Neulich las ich in der Losung einen grandiosen Vers: „Seit der Erschaffung der Welt sind seine Werke ein sichtbarer Hinweis auf ihn, den unsichtbaren Gott, auf seine ewige Macht und sein göttliches Wesen.“ (Römer 1,20)


Diese Worte kamen mir wieder in den Sinn, als ich an einem sonnigen Nachmittag spazieren ging. Der Frühling ist nicht mehr aufzuhalten, er bricht in Wald und Wiesen hervor wie eine Naturgewalt. Alles ist belebt, ein Zwitschern und Summen erfüllt die Luft, in zarten Farben blühen die Bäume, neue Blätter entfalten sich in jungem Grün, die Narzissen, Schlüsselblumen und Primeln leuchten wundervoll auf dem noch kargen Boden. In all dieser Pracht, diesem Duft, diesem Frühlingsklang liegt eine Botschaft: Der Tod ist überwunden.


Die gleiche Botschaft ruft uns das Osterfest zu, das wir bald feiern: Der Tod ist überwunden.


Jeder von uns kennt Krisenzeiten. Manchmal läuft nicht alles rund, wir haben mit Schwierigkeiten, Niederlagen und Enttäuschungen zu kämpfen. Krankheiten werden zur Bedrohung, Verletzungen bremsen uns aus. Es gibt Sorgen und Nöte der vielfältigsten Art. Wer von uns kann schon sagen, dass immer rundum alles gut ist?


Und jetzt erleben wir eine globale Beunruhigung. Die ganze Welt steckt in der Krise. Dachtet ihr auch, als COVID-19 in Wuhan ausbrach, das wäre wie eine dieser schlimmen Meldungen, die uns nicht direkt betreffen? Wie ein Erdbeben in Albanien, ein Bürgerkrieg in Syrien, ein Tsunami in Thailand – erschütternd und schrecklich, aber weit weg?


Aber plötzlich ist dieses Virus in Europa, in Deutschland, in Baden-Württemberg, in Biberach, in der Nachbarschaft. Unser Leben wird beschnitten und beschränkt: Social Distancing, kein Klopapier in den Regalen, Mehl und Hefe ausverkauft, kein Treffen mit Freunden, kein Präsenz-Gottesdienst, kein Sport im Verein, kein Hauskreis, keine Umarmung, kein Handschlag mehr. Dazu die Sorge um die weitere Entwicklung der Pandemie, um die geliebten Menschen, die zu den Risikogruppen gehören, um die Kapazitäten unseres Gesundheitssystems, die Angst vor einem kompletten wirtschaftlichen Zusammenbruch.


Viele Menschen haben wie ich ihre Arbeit verloren, anderen droht die Kurzarbeit, wieder andere arbeiten bis zur Erschöpfung und sind einem großen Ansteckungsrisiko ausgesetzt. Jeder von uns ist in irgendeiner Form betroffen.


Es ist ein düsteres Szenario, mit dem wir gerade leben, und manchmal finde ich es bedrückend. Es ist überhaupt nicht abzusehen, wann wir zur „Normalität“ zurückkehren können. Werden wir uns überhaupt jemals wieder so unbeschwert in großen Menschengruppen bewegen wie früher, oder wird der Mund-Nasen-Schutz unser ständiger Begleiter werden?


Aber Krise hin oder her – der Frühling ist da, er lässt sich weder aufhalten noch ignorieren und ganz laut verkündet er seine Botschaft: Der Tod ist überwunden. Das ist wie ein göttlicher Einwurf in dieser Situation: „Ja, die Menschheit hat ein Problem. Aber meine Macht und mein göttliches Wesen bleiben bestehen. Meine Zusagen wanken nicht.“


Ist das nicht unglaublich tröstlich und ermutigend? Die Auferstehungskraft von Ostern, diese gewaltige Macht, die Jesus aus dem Tod ins Leben zurückgeholt hat, die wirkt auch heute. Sie zeigt sich in der Auferstehung der Natur und erinnert uns daran, dass unsere persönlichen Krisen und diese globale Krise nicht das letzte Wort haben. Jesus ist der Auferstandene. Er ist der Sieger!


Darum lasst uns gerade jetzt mit König David beten: „Ich will fest auf Gott vertrauen, denn er ist meine Hoffnung. Er ist mein Fels und meine Hilfe, meine Burg, in der mir nichts geschehen kann.“ (Psalm 62,6-7)